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Sonntag, 5. September 2010
Bauernkarren und -wagen

In vielerlei Hinsicht ähnelt das Handwerk des Stellmachers dem des Tischlers. Während jedoch der Tischler zur Verstärkung auf Nägel und Leim zurückgreifen kann, musste sich der Wagenbauer allein auf die Festigkeit seiner Holzverbände verlassen. 

Denn herkömmliche Leime waren dem ständigen Biegen und Rütteln, Nasswerden und Trocknen eines Bauernwagens einfach nicht gewach-sen. Die Qualität des Holzes war für den Stellmacher so entscheidend, dass er sehr oft das Fällen der Bäume und das Sägen des Holzes selbst überwachte. Auf dem Lagerplatz sortierte und kennzeichnete er dann die einzelnen Höher nach ihrer besonderen Eignung. Leicht gekrümmte Buchen- und Eschenteile wählte er für die Feigen, zylindrische Eichenklötze für die Speichen, gekrümmte Eschenstämme für die Deichseln und geradfaseriges Eichen- und Eschenholz für Wagenrahmen und Seitenwandung.
Eiche und Esche waren überall die bevorzugten Höher für Wagenrahmen, doch bildeten sich in England andere Fuhrwerkstypen heraus als im übrigen Europa. Die vierrädrigen Ackerwagen auf dem Festland hatten Wagenkästen mit geraden Seitenwänden aus Eiche, die außerordentlich robust waren, aber den Wendekreis des Fahrzeugs vergrößerten.
Englische Stellmacher, die ihre Wagen oft für schmale Wege und enge Höfe bauen mussten, behoben diesen Nachteil dadurch, dass sie den Wagenkasten in zwei Teilen bauten — mit einem verjüngten Mittelteil, das einen stärkeren Radeinschlag erlaubte.
Die Bodenbretter aus Ulmenholz verlegte man entweder längs oder quer. Bei geschaufeltem Ladegut wie Sand, Kies oder Mist waren Längsbretter vorteilhafter, weil Querfugen von den Schaufeln beschädigt worden wären. Die Seitenteile arbeitete man meist aus Esche, häufig in Verbindung mit Pappel.
Aber nicht jedes Bauernfahrzeug ist das Werk eines geübten Handwerkers, und in vielen Teilen der Erde müssen sich die Bauern ihre Karren und Wagen selber aus dem Material zimmern, das gerade zur Hand ist. In China verwendet man ebenfalls Eiche und Esche im Wagenbau, wählt für zahlreiche Zwecke aber lieber Palisander als Eiche. Auch der unübertroffen vielseitige Bambus spielt im Fahrzeugbau zahlreicher fernöstlicher Länder eine bedeutende Rolle. 

 
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